Inhalt Rg 14 (2009)
Recherche
Il giudice e le sue fonti. Note su inquisitio e fama nel Tractatus de maleficiis di Alberto da Gandino
Die »Verrechtlichung« heimlicher Ermittlungsmaßnahmen im Übergang vom Inquisitionsprozess des gemeinen Rechts zum reformierten Strafprozess des 19. Jahrhunderts
Zweispurige Verbrechensbekämpfung. Kriminalpolitik und Gesetzgebung im transnationalen Diskurs: Franz von Liszt, die schweizerische Strafrechtsreform und die Zweispurigkeit von Strafen und Massregeln
»Geborene Opfer« . Bausteine für eine Geschichte der Viktimologie – Das Beispiel Hans von Hentig
Kritik
Aus dem Land des roten Drachen. Thomas Glyn Watkin, The Legal History of Wales Thomas Glyn Watkin (ed.), Legal Wales: its Past, its Future. Essays dedicated to Professor Dafydd Jenkins on his ninetieth birthday Thomas Glyn Watkin (ed.), The Trial of Dic Penderyn and other Essays Thomas Glyn Watkin (ed.), Y Cyfraniad Cymreig – Welsh Contributions to Legal Development Sir William Jones, An Essay of the Law of Bailments, 1781, ed. by David J. Ibbetson T. M. Charles-Edwards and Paul Russell (ed.), Tair Colofn Cyfraith = The Three Columns of Law in Medieval Wales: Homicide, Theft and Fire Sara Elin Roberts, The Legal Triads of Medieval Wales Richard W. Ireland, A Want of Order and Good Discipline – Rules, Discretion and the Victorian Prison Sharon Howard, Law and Disorder in Early Modern Wales: Crime and Authority in the Denbighshire Courts, c. 1660–1730
Typologie oder Transfer – unentschieden. Leonhard Burckhardt, Klaus Seybold und Jürgen von Ungern-Sternberg (Hg.), Gesetzgebung in antiken Gesellschaften. Israel, Griechenland, Rom
Kanzlei, Diplome, Privilegien und Mandate. Sebastian Gleixner, Sprachrohr kaiserlichen Willens. Die Kanzlei Friedrichs II. (1226–1236)
Alles Glosse – oder was?. Bernd Kannowski, Die Umgestaltung des Sachsenspiegelrechts durch die Buch'sche Glosse
Strafe muss sein. Lotte Kéry, Gottesfurcht und irdische Strafe. Der Beitrag des mittelalterlichen Kirchenrechts zur Entstehung des öffentlichen Strafrechts
Si imperator facit pactum. Daniel Damler, Imperium Contrahens. Eine Vertragsgeschichte des spanischen Weltreichs in der Renaissance
Modell Europa. Antonio Padoa-Schioppa, Storia del diritto in Europa. Dal medioevo all'età contemporanea
Genf, Heidelberg, Emden. Christoph Strohm, Calvinismus und Recht. Weltanschaulich-konfessionelle Aspekte im Werk reformierter Juristen in der Frühen Neuzeit
Recht und Repräsentation. Barbara Stollberg-Rilinger, Des Kaisers alte Kleider. Verfassungsgeschichte und Symbolsprache des Alten Reiches
Das »Mysterium des Geständnisses«: »eine rätselhafte und merkwürdige Sache«. Jo Reichertz, Manfred Schneider (Hg.), Sozialgeschichte des Geständnisses. Zum Wandel der Geständniskultur
Strafrechtsgeschichte mit Gegenwartsbezug. Babette Tondorf, Strafverteidigung in der Frühphase des reformierten Strafprozesses. Das Hochverratsverfahren gegen die badischen Aufständischen Gustav Struve und Karl Blind Andrea Hartmann, Majestätsbeleidigung und Verunglimpfung des Staatsoberhauptes (§§ 94ff. RStGB, 90 StGB). Reformdiskussion und Gesetzgebung seit dem 19. Jahrhundert Ilya Hartmann, Prostitution, Kuppelei, Zuhälterei. Reformdiskussion und Gesetzgebung seit 1870
Verdächtige Experten. Désirée Schauz, Sabine Freitag (Hg.), Verbrecher im Visier der Experten. Kriminalpolitik zwischen Wissenschaft und Praxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Blick zurück auf die Krise. Massimo Nardozza, Tradizione romanistica e ›dommatica‹ moderna. Percorsi della romano-civilistica italiana nel primo Novecento
Das A bis O der Regelung der Märkte. Mathias Schmoeckel, Rechtsgeschichte der Wirtschaft seit dem 19. Jahrhundert. Unter Mitarbeit von Matthias Maetschke
Interkultureller Transfer: Zur Übersetzung des Völkerrechts. Rune Svarverud, International Law as World Order in Late Imperial China. Translation, Reception and Discourse, 1847–1911
Mit dem Teufel aus einer Schüssel essen. Gerhard Stuby, Vom »Kronjuristen« zum »Kronzeugen«. Friedrich Wilhelm Gaus: ein Leben im Auswärtigen Amt der Wilhelmstraße
Viel Wert. Friederike Wapler, Werte und das Recht. Individualistische und kollektivistische Deutungen des Wertbegriffs im Neukantianismus
Verlorene Spuren. Julius Moór, Schriften zur Rechtsphilosophie Barna Horváth, The Bases of Law Csaba Varga (Hg.), Die Schule von Szeged. Rechtsphilosophische Aufsätze von István Bibó, József Szabó und Tibor Vas István Losonczy, Abriss eines realistischen rechtsphilosophischen Systems
Marginalien
Die Schätze Vitorias. Internationale Konferenz/Workshop Francisco de Vitoria und die Normativität des Rechts, 17.–19. Dezember 2008, Frankfurt am Main
Strafe muss sein! Ein drohender Satz, eine Universalie der Gerechtigkeit, ein pädagogisches Prinzip, eine Existenzgarantie für den strafenden Staat? Wenn Strafe denn wirklich »sein muss«, wie kann sie als rechtliche ausgeübt und legitimiert werden? Hinter dem Alltagsspruch »Strafe muss sein« öffnet sich das weite Feld der Geschichte des Strafrechts und der Strafrechtswissenschaft. Dieses Feld ist von der traditionellen Rechtsgeschichte eher vernachlässigt worden. Die meisten Strafrechtler halten es für verzichtbar. Vorlesungen zur Strafrechtsgeschichte gehören nicht zum Ausbildungskanon. So kamen die Innovationen in den letzten Jahren eher von außen, von der Kulturanthropologie, von der neueren Kulturgeschichte und speziell von der erfreulich entfalteten Historischen Kriminologie. Die Rechtsgeschichte hat hiervon erheblich profitiert. Sie hat ihrerseits wieder auf die historische Forschung zumMittelalter und zur Frühen Neuzeit zurückgewirkt. Die früher manchmal beobachteten Barrieren gegenseitiger Nichtwahrnehmung scheinen nahezu verschwunden. Weithin sichtbares Ergebnis der Zusammenarbeit von Geschichte und Rechtsgeschichte auf diesem Feld sind die Symposien und Synthesen sowie zahlreiche Fallstudien im großen Projekt »Konflikt, Verbrechen und Sanktion in der Gesellschaft Alteuropas«. Hierüber berichtet Dietmar Willoweit. Die sich an seinen Beitrag anschließende Folge von Aufsätzen reicht von einer Studie Massimo Valleranis zum Strafrechtstraktat des Albertus Gandinus über die Wandlungen des Strafprozesses (Pierre Hauck) und der Strafarten im 19. Jahrhundert (Urs Germann) bis zur Viktimologie (David von Mayenburg) und zum modernen Völkerstrafrecht (Christoph Safferling). Liegt also der Schwerpunkt dieses Hefts auf den Beiträgen zur Strafrechtsgeschichte, so bleibt es im Rezensionsteil bei einer Auswahl von Büchern aus dem ganzen Spektrum der Rechtsgeschichte. Immerhin ist auch dort das Thema »Strafe« – weit verstanden als Ermittlung und Sanktionierung abweichenden Verhaltens – stärker vertreten als sonst. Die Zeitschrift wird auch künftig versuchen, dieses Gebiet nicht zu vernachlässigen.
Michael Stolleis
